Tierfotografie in Wildparks und Tiergehegen

Frischling im Wildpark Alte Fasanerie Kleinauheim

Tierfotografie ist mittlerweile sehr beliebt. Immer mehr trauen sich an die „Königsdisziplin“ der Naturfotografie heran. Das zeigen auch die stark wachsenden Gruppen der GDT (Gesellschaft Deutscher Tierfotografen) und deren große Jugendgruppen.

Doch Tierfotografie in Deutschland ist meistens sehr Zeit- und auch Kosten-intensiv, denn unsere heimischen Wildtiere sind bis auf wenige Ausnahmen extrem scheu. Es sind mitunter sehr lange Ansitze und die Verwendung von langen und teuren Telebrennweiten erforderlich, um zu brauchbaren Aufnahmen zu kommen.

Tierfoto eines Rehs im Wildpark Alte Fasanerie

Tierfotografie von scheuen Wildtieren ist in Wildparks wesentlich leichter. Reh (lat. Capreolus capreolus)im Schnee versteckt im Dickicht, Hessen, Deutschland

Die Fotografie in Tiergehegen und Wildparks bietet hier eine willkommene Abwechslung und ermöglicht auch denjenigen Fotografen mit beschränkter Zeit und Budget die ersehnten Aufnahmen von Rehen, Wildschweinen und Rotwild. Die sogenannte Fluchtdistanz der eigentlich scheuen Wildtiere ist hier nämlich wesentlich geringer, als in der freien Natur. Oft kommen die Tiere sogar bis an die Zäune heran.

Entsprechend den Empfehlungen der GDT sollten Aufnahmen in Wildparks bei Veröffentlichung dann allerdings auch entsprechend gekennzeichnet werden und keinesfalls als „echte“ Wildlife-Fotos „verkauft“ werden.

Schnee-Eule (Bubo scandiacus, Nyctea scandiaca) im Schnee

Schnee-Eule (Bubo scandiacus, Nyctea scandiaca) im Schnee

 

Ausrüstung für Tierfotografie in Tiergehegen und Wildparks

Die ideale Kamera für die Tierfotografie ist meiner Meinung nach eine Kamera mit APS-C Sensor oder auch Micro-Fourth-Thirds Sensor (MFT). Durch den Crop-Faktor haben diese Kameras einen Vorteil gegenüber einer Vollformatkamera, da die Reichweite erhöht wird weil durch den Verlängerungsfaktor von 1.5x, 1.6x oder 2x beispielsweise aus einem 300mm Objektiv ein 450mm oder gar 600mm Objektiv wird (das ist natürlich nicht ganz richtig, da sich die reine Brennweite ja nicht ändert, sondern nur ein kleinerer Ausschnitt erfasst wird.).

Als Objektive können schon mittlere Teleobjektive (Vergleich 70-200mm f2.8 oder f4) ausreichen, meistens ist aber auch in Wildparks und Tiergehegen mehr Brennweite besser. Objektive mit einer Brennweite um 400mm (Test des Canon 100-400mm Objektiv) und einer Lichtstärke von wenigstens f5.6 sind wohl der beste Kompromiss aus Preis, Brennweite, Lichtstärke und Gewicht der Ausrüstung.

Detailaufnahme eines Wolf

Detailaufnahme eines Europäischen Wolf (lat. Canis lupus L.)

Der Gewichtsvorteil eines 400mm Objektivs mit f5.6 ist nicht zu unterschätzen. Die Ausrüstung trägt sich nicht nur wesentlich leichter, sondern das Gewicht hat auch einen entscheidenden Einfluss auf das benötigte Stativ. Ein 400er mit f5.6 trägt fast jedes halbwegs vernünftige Stativ problemlos, bei einem 500mm Objektiv mit f4 sieht das schon ganz anders aus und zusätzlich zum Kaufpreis des Objektivs kann man gleich auch noch locker 1.500 Euro für ein stabiles Stativ und einen entsprechend dimensionierten Stativkopf einplanen. Ohne Stativ würde ich übrigens niemals zum Fotografieren in Tiergehegen oder Wildparks losziehen. Es ist – gerade beim Fotografieren mit einem Teleobjektiv – ein Garant für verwacklungsfreie Aufnahmen. Tipps zum Stativkauf findet Ihr hier im Blog.

Eurasischer Luchs oder Nordluchs lat. Lynx lynx bei der Fellpflege mit Jungtier, Hessen, Deutschland

Die Tierfotografie von Luchsen in Freiheit ist in Europa fast unmöglich: Eurasischer Luchs oder Nordluchs lat. Lynx lynx bei der Fellpflege mit Jungtier, Wildpark Alte Fasanerie, Hessen, Deutschland

Fotografiere ich im Wildpark Alte Fasanerie bei Kleinauheim bei Hanau, so ziehe ich immer mit meiner Canon 7D und dem Canon EF 100-400mm Teleobjektiv los. Die Kombination entspricht vom Bildausschnitt her einem 160-640mm f5.6 Objektiv am Vollformat. Das reicht in Wildgehegen und Tierparks durch die geringere Fluchtdistanz bereits für gelungene Aufnahmen aus.

Zusätzlich habe ich noch mein Canon EF 70-200m f2.8 L IS USM und eventuell eine Vollformatkamera mit dabei.

Rotwild lat. Cervus elaphus im Winter, Hessen

Rotwild lat. Cervus elaphus im Winter, Hessen

 

Schwierigkeiten beim Fotografieren in Tierparks und Wildgehegen

So positiv die geringe Fluchtdistanz der Tiere in Wildparks für uns Fotografen auch ist, es gibt auch Schwierigkeiten beim Fotografieren. Manchmal sind die Tiere tatsächlich zu nahe an den Zäunen für Ganzkörperaufnahmen mit dem Teleobjektiv. Und auch die Zäune selbst können zum Problem werden, wenn man nicht einige Tipps beherzigt.

Fotografieren durch die Zäune oder Gitter in Wildparks und Tiergehegen ist meistens relativ unproblematisch, wenn man sich mit der Vorderseite des Objektivs möglichst nahe am Zaun befindet und bei Offenblende fotografiert. Je länger jetzt die Brennweite ist und je offener man die Blende einstellen kann, desto leichter ist es den Zaun vorm Objektiv „verschwinden“ zu lassen. Er taucht hierbei soweit in den Unschärfebereich, dass er auf dem späteren Foto nicht zu erkennen ist.

Ein weiteres Problem beim Fotografieren in Wildparks können andere Parkbesucher sein, die die Tiere ablenken und so natürlich wirkende Fotos erschweren können.

Hier hilft es dann meistens einfach als Erster im Park zu sein. So hat man in der Regel wenigstens 1-2 Stunden die nötige Ruhe.

 

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Wildschweine (lat. Sus scrofa) mit Frischlingen im Morgenlicht, Hessen, Deutschland

Wildschweine (lat. Sus scrofa) mit Frischlingen im Morgenlicht, Hessen, Deutschland

 

Junges Wildschwein (lat. Sus scrofa) beim Säugen, Hessen

Junges Wildschwein (lat. Sus scrofa) beim Säugen, Hessen

 

 

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