Das perfekte Stativ – Teil 1

3Legged Thing Reisestativ

Gibt es das perfekte Stativ?

Früher war ich ständig auf der Suche nach der perfekte Ausrüstung, das perfekte Stativ, die perfekte Kamera, die perfekte Fototasche. Aber ich merkte schnell, dass es nicht DIE perfekte Ausrüstung geben kann. Aber es gibt für jede Anwendung die genau passende Ausrüstung, für alles andere muss man dann eben Kompromisse eingehen.

So muss man auch bei der Suche nach dem perfekten Stativ die spätere Aufgaben im Blick haben und benötigt je nach Einsatzgebiet ganz unterschiedliche Eigenschaften und damit eigentlich auch mehrere Stative. Aber auch wenn man sich nur ein einziges Stativ zulegen möchte, wird man natürlich fündig werden. Man muss halt nur wissen, welche persönlichen Anforderungen man an das perfekte Stativ hat und wo man Kompromisse eingehen kann.

Um Euch die Suche etwas zu erleichtern, habe ich später aber auch noch konkrete Tipps für das perfekte Stativ für die Landschaftsfotografie, die Reisefotografie und die Makrofotografie.

Reise Stative am Strand

Links steht mein Gitzo GT 2541, beschwert mit meiner Billingham-Fototasche, rechts das Reisestativ Punks Vyv von 3Legged Thing mit ausgefahrener Mittelsäule.

 

Was muss das perfekte Stativ mitbringen?

Das ideale Stativ ist leicht und hat ein kompaktes Packmass, um es überall mit hinnehmen zu können. Aber gleichzeitig muss das perfekte Stativ standfest und stabil sein, um die Kamera zuverlässig und schwingungsfrei zu tragen. Die maximale Arbeitshöhe ist idealerweise auf die eigene Körpergröße abgestimmt, aber 2 Meter sollten es schon sein.

Die Mittelsäule des perfekten Stativ ist teilbar und lässt sich bei Bedarf drehen, um die Kamera auf den Kopf gestellt montieren zu können. Ausserdem sollte sich die Mittelsäule parallel zum Boden montieren lassen, für Aufnahmen direkt von oben. Eine teilbare Mittelsäule ist wichtig für Makroaufnahmen von Pflanzen, um den Stativkopf direkt auf den Boden aufsetzen zu können. Hierfür müssen natürlich die Stativbeine komplett spreizbar sein, um das Stativ flach auf den Boden aufstellen zu können.

Die Beinverschlüsse und die Arretierung der Mittelsäule müssen leicht und auch mit Handschuhen zu bedienen sein. Das perfekte Stativ hat ausserdem Stativbeine mit Spikes für einen sicheren Halt auf allen Böden. Die Stativ-Spikes lassen sich aber bitte leicht zu Gummifüssen umbauen, damit bei Innenaufnahmen der teuere Boden nicht zerkratzt.

 

Das perfekte Stativ

Das perfekte Stativ ist standfest und robust, denn es muss viel aushalten.

 

Das ideale Stativ verfügt natürlich auch über einen auswechselbaren Stativkopf. So können ganz nach Bedarf ein 3-Wege-Neiger, ein Kugelkopf, ein Gimbal oder ein Videoneiger montiert werden.

Ach so, teuer soll so ein perfektes Stativ natürlich auch nicht sein. So etwa 300 Euro sollten reichen, aber dann bitte haltbar und robust für die Ewigkeit gebaut.

Es ist glaube ich klar, dass wir bei der Wahl des richtigen Stativ einige Kompromisse eingehen müssen. Besonders wenn man sich nur ein einziges Stativ kaufen möchte.

Worauf man bei einem Stativ für Videoaufnahmen genau achten muss, kann ich Euch nicht sagen, dazu mache ich noch zu wenig Bewegtbild. Auch kann ich keine Empfehlung für das perfekte Stativ für schwere Teleobjektive geben. Aber ich denke zum perfekten Stativ für die Landschaftsfotografie, die Makrofotografie und das perfekte Reise-Stativ kann ich ein paar Dinge sagen.

 

3Legged Thing Reisestativ

Hier sieht man welchen Kompromiss man bei einem kompakten Reisestativ eingehen muss: Für eine komfortable Arbeitshöhe muss bei meinem Reisestativ von 3Legged Thing die Mittelsäule komplett ausgezogen werden. Eine sehr wacklige Angelegenheit.

 

Aber fangen wir mal ganz grundsätzlich an:

Welche Stativ-Materialien gibt es?

Stative werden grundsätzlich aus den drei folgenden Materialien gefertigt. Das bezieht sich primär auf die Stativ-Beine. Natürlich werden bei einem Holz- oder Carbon-Stativ auch Aluminum oder andere Metalle verarbeitet.

Holz
Holz ist das traditionelle Material zum Stativbau. Auch heute fertigen noch Hersteller perfekte Stative aus Holz, wie die renommierte Stativ-Schmiede Berlebach.

Tatsächlich hat Holz sogar einige Vorteile als Stativmaterial gegenüber den anderen beiden Materialien: durch das hohe Gewicht sind Holzstative generell sehr standfest. Weiterhin absorbiert („schluckt“) Holz sehr gut Schwingungen, so dass einige Perfektionisten nach wie vor auf Holzstative aus Eschenholz setzten. Das hohe Gewicht und die Anfälligkeit gegenüber Feuchtigkeit sind für mich allerdings Gründe ein Holzstativ nicht wirklich als das ideale Stativ zu bezeichnen.

Aluminium
Aluminium ist ein modernes und recht günstiges Stativmaterial. Ausserdem ist das Material vergleichsweise leicht und tolerant gegenüber Nässe. Aluminum ist generell auch sehr robust und das Material verbiegt eher, als dass es bricht. Ein Stativ aus Aluminum ist für mich daher das perfekte Stativ, wenn es etwas grober zur Sache geht und das Gewicht nicht die oberste Priorität hat.

Carbon / Kohlenfaser
Gegenüber Aluminium ist Carbon nochmal leichter und ausserdem ein sehr steifes Stativmaterial. Das macht ein Carbonstativ nicht unbedingt zum idealen Stativ, da es Schwingungen nicht sonderlich gut absorbiert. Auf der anderen Seite ist Kohlenfaser wirklich extrem leicht und steif und macht es daher zum perfekten Stativ-Material, wenn es auf jedes Gramm Gewicht ankommt.

 

Das perfekte Stativ für die Landschaftsfotografie mit ausgefahrener Mittelsäule

Das perfekte Stativ für die Landschaftsfotografie. Damit macht jeder Sonnenaufgang noch einmal mehr Freude.

 

Das perfekte Stativ für die Landschaftsfotografie

Meiner Meinung nach kommt es beim perfekten Stativ für die Landschaftsfotografie besonders auf das Gewicht und die Standfestigkeit an. Es ist ein elementarer Bestandteil jeder Ausrüstung für die Landschaftsfotografie.

In der Landschaftsfotografie blende ich für eine große Schärfentiefe meist sehr weit ab und nutze möglichst niedrige ISO-Werte für beste Bildqualität. Für die richtige Belichtung benötigt man also eine sehr lange Belichtungszeit, oft auch mal mehrere Sekunden. Und viele Landschaftsfotos leben ja auch gerade von einer gewollten Langzeitbelichtung. Für einwandfrei scharfe Fotos muss die Kamera absolut vibrationsfrei aufgestellt werden. Ohne Stativ ist Landschaftsfotografie für mich somit nicht denkbar.

Bei diesen Anforderungen an das ideale Stativ für die Landschaftsfotografie wäre eigentlich ein großes und schweres (weil besonders standfestes) Stativ ideal. Allerdings muss man für richtig tolle Landschaftsfotos oft sehr weit laufen oder zumindest mobil sein, um den Standort schnell ändern zu können. Hierbei ist ein leichtes und kompaktes Stativ wesentlich angenehmer. Ich nehme hier gerne mein Gitzo GT 2541 Carbonstativ, das ich leicht an meinem Fotorucksack befestigen und mühelos weite Strecken damit laufen kann. Durch das Stativmaterial Carbon ist es sehr verwindungssteif und ausserdem lassen sich die Stativbeine etwas breiter spreizen für eine bessere Standfestigkeit. Wenn es richtig windig wird, hänge ich gerne meinen Fotorucksack an den Haken der Mittelsäule, so steht auch ein leichtes Carbonstativ extrem stabil.

Sind die Wege zum Motiv kürzer oder kann ein Bollerwagen oder Beach-Trolley genutzt werden, kommt auch ein (wesentlich günstigeres) Stativ aus Aluminium in Frage, wie das Manfrotto 055 oder 190. Ein interessantes Konzept bieten spezielle Stative von 3 Legged Thing (ich habe das kleine Punks Vyv als Reisestativ) oder anderen, bei denen die Stativbeine für den Transport nach oben geklappt werden können. Das sorgt für ein deutlich kürzeres Packmass.

 

In Teil 2 – Das perfekte Stativ (erscheint im März) geht es um den perfekten Stativ-Kopf und das ideale Reisestativ, sowie die Makrofotografie.

 

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