Warum analog fotografieren?

header warum analog fotografieren mit manuellen Kameras

Warum analog fotografieren, wenn Digitalkameras mittlerweile so günstig zu haben sind, wie noch nie und einen Dynamikumfang erreichen, der jeden Diafilm sprichwörtlich im Schatten stehen lässt?

Als ich mit dem Fotografieren ernsthaft angefangen habe, waren Digitalkameras noch nicht verfügbar beziehungsweise später unbezahlbar. Somit kam die Frage „Warum analog fotografieren?“ bei mir zunächst überhaupt nicht auf. Es gab schlicht keine andere Alternative. Damals kamen bei mir praktisch ausschließlich Diafilme (meist Fuji Velvia 50 oder Sensia 100) in meine Kameras. Die richtige Belichtung war essentiell für ein zufriedenstellendes Ergebnis und musste bereits bei der Aufnahme exakt stimmen. Digitales Korrigieren am Rechner ging natürlich nicht. Eine halbe Blende unter- oder überbelichtet und die Schatten liefen zu oder die Lichter waren ausgefressen und es fehlte dem Fotos irgendwie an Dichte. Die Empfehlung war es, Diafilm etwa eine halbe Blende unterzubelichten für eine bestmögliche Dichte. Für meinen Geschmack waren hierdurch viele Dias – speziell bei den Motiven, auf denen blauer Himmel zu sehen waren – aber zu dunkel und ich hätte eigentlich lieber mit Farbnegativfilm fotografiert, der einen wahnsinnig großen Belichtungsspielraum besitzt. Allerdings belieferte ich damals bereits die ersten Bildagenturen und einen Verlag. Und die akzeptierten leider nur Diapositive als Bildmaterial.

warum analog fotografieren mit diafilm wenn negativfilm besser ist

Warum analog fotografieren? Mit Diafilm kann man kontrastreiche Motive genauso schwer fotografieren wie mit Digitalkameras. Aber Negativfilme haben einen unglaublich hohen Belichtungsspielraum, der wesentlich unbeschwerteres Fotografieren ermöglicht.

Der Sprung in die digitale Fotografie war mit zunehmender Erfahrung in der Bildbearbeitung beziehungsweise der Bildoptimierung für mich ein Segen. Die Belichtung konnte auch einmal daneben liegen und mit ein bisschen Bearbeitung waren die Ergebnisse durchaus passabel.

Trotzdem habe ich zu Anfang auch noch analog fotografiert, da ich eine Canon EOS 10D (gebraucht für kleines Geld z.B. bei amazon erhältlich) mit „nur“ 6 Millionen Pixeln besaß, die Bildagenturen aber Dateien mit mindestens 10 Millionen Pixel wollten. Erst mit der Canon EOS 5D bin ich dann zu 100% auf Digital umgestiegen.

Der Hauptgrund, warum ich wieder analog fotografiere

Zu Anfang habe ich digital ähnlich wie analog fotografiert. Das heisst ich habe mir ein wirklich lohnendes Motiv gesucht, meinen Bildausschnitt exakt gewählt und sorgfältig die Belichtung bestimmt. Ich hatte also relativ wenige Fotos auf meiner Festplatte und einen recht guten Überblick über mein Archiv.
Leider änderte sich das dann im Laufe der Jahre und ich fotografierte mehr und mehr impulsiv, unüberlegter und schoß immer ein, zwei, drei „Sicherheitsschüsse“, um dann erst an Bildaufbau und die richtige Belichtung zu denken. Digital Fotografieren kostet ja nichts mehr, ist die Ausrüstung erst einmal angeschafft.
Das Ganze hatte leider schnell zur Folge, dass mein Bildarchiv exponentiell wuchs und ich vor allem auch mehr und mehr Zeit vor dem Rechner verbrachte, um aus den vielen Aufnahmen die Besten auszuwählen, zu bearbeiten und zu archivieren. Kurz gesagt, schoß und schieße ich eigentlich viel zu viele Fotos.

wildschwein-analog-fotografiert-auf-dia

Wildschwein im Herbstlaub, fotografiert auf Farbpositivfilm (Diafilm).

Wenn ich als Hochzeitsfotograf arbeite, mache ich an einem Tag unglaublich viele Aufnahmen. Bei 10 Stunden Fotografie komme ich auf etwa 2.500 Bilddateien. Ich benötige alleine für das Auswählen der Fotos, die ich meinen Kunden überreiche (etwa 500), mehrere Stunden. Gut, die Arbeitszeit hierfür kalkuliere ich in meine Angebote, aber wirklich Spass macht mir diese stupide Arbeit am Rechner keinen.
Das eigentliche Problem sind für mich aber vor allem meine privaten Fotos, denn hier komme ich einfach nicht hinterher mit dem ganzen Sortieren und Bearbeiten, weil ich keinen Termindruck habe und mir diese Arbeit keinen großen Spass macht. Umso schöner, dass meine Fuji XT-1 und die anderen Fuji-Kameras hervorragende JPEGs erzeugen, die mir zumindest die Nachbearbeitungszeit etwas reduziert haben. Trotzdem ist es mir immer noch zu viel Zeit am Rechner und so versuche ich mehr und mehr privat ausschließlich analog zu fotografieren.

Analog fotografiere ich nun wieder sehr viel bedachter und auch etwas sorgfältiger. Ich mache eher 10 Aufnahmen, als 100 und verbringe deutlich weniger Zeit am Rechner. Und meine Familie bekommt die Resultate hoffentlich deutlich schneller in Form von Ausdrucken zu Gesicht.
Ein weiterer positiver Grund ist, dass man meiner Meinung nach viel mehr im Moment lebt und nicht in Versuchung gerät, die gerade aufgenommenen Fotos auf dem Kameradisplay anzusehen.

Warum analog fotografieren? – der Charme analoger Kameras und Filme

Ja, ich gebe es ja zu. So eine alte analoge Kamera hat schon ihren ganz eigenen Charme. Ich liebe einfach diese alten Geräte mit ihrer soliden Technik und einer Wertigkeit, wie ich sie bei vielen Digitalkameras vermisse.
Und eine Kamera, die Spass macht und die man gerne in die Hand nimmt, kommt auch viel öfter mit auf Tour und man fotografiert dadurch deutlich mehr Situationen.

analog fotografieren mit alten kameras leica zenza bronica

Warum analog fotografieren? Weil das Fotografieren mit alten, manuellen Kameras einfach seinen ganz eigenen Charme hat. Hier zu sehen die Leica M6 Messsucherkamera mit dem Summarit 35mm f2.5 und die Zenza Bronica SQ-B Mittelformatkamera mit dem 60mm f2.8. Zwei echte Schmuckstücke.

Und nicht zuletzt haben auch die Fotos, die mit Film aufgenommen wurden, einen speziellen Charakter. Sie sind oft nicht perfekt, aber genau diese kleinen Makel sind es vielleicht, die Film-Fotos so interessant machen. Das Korn, die Film-eigenen Farben, der riesige Tonwertumfang und eine nicht näher beschreibbare „Dreidimensionalität“ der Aufnahmen sind es wohl, die diesen Charme ausmachen. Speziell auch gute Schwarz-Weiß-Fotos üben auf mich eine gewisse Faszination aus.

Der Belichtungsspielraum beim analogen Fotografieren

Der Belichtungsspielraum von Negativfilm ist ein weiterer wichtiger Grund warum ich und viele andere wohl auch wieder analog fotografieren oder vielleicht auch nie damit aufgehört haben. Negativfilm hat gegenüber Diafilm und auch den meisten Bildsensoren einen erheblich größeren Belichtungsspielraum. In der Praxis bedeutet dieser Umstand, dass wir belichtungskritische, kontrastreiche Szenen wesentlich unbeschwerter fotografieren können. Gleichzeitig verkraftet Negativfilm sehr gut eine deutliche Überbelichtung und auch eine mäßige Unterbelichtung. Fotos mit einem professionellen Negativfilm, wie dem Kodak Portra 400, aufgenommen, sind auch bei 2 Blenden Unter- oder 5 Blenden Überbelichtung noch durchaus brauchbar. Bildreihen und Beispiele findet Ihr zum Beispiel hier und hier.

Negativfilme für die analoge Fotografie

Analoges Fotografieren auf Negativfilmen lässt einen unglaublich flexiblen Belichtungsspielraum.

Viele Fotografen nutzen sogar eine gezielte Überbelichtung von Farbnegativfilm, um pastellige Farbtöne und intensivere Farben zu erhalten und den Kontrast leicht zu steigen. Undenkbar mit einem digitalen Bildsensor, bei dem man eher eine Unterbelichtung empfiehlt, um keine Details in den Lichtern zu verlieren. Gegenüber einer stärkeren Unterbelichtung ist Farbnegativfilm und auch Schwarz-Weiß-Negativfilm allerdings empfindlich. Details in den Schatten lassen sich dann bei der Weiterverarbeitung als Abzüge oder Scans nicht mehr retten. Unterbelichtete Filme sind dann wohl auch der häufigste Grund, warum Viele die wieder angefangen haben, analog zu fotografieren, enttäuscht von den Bildergebnissen sind.

 

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