Buchrezension Die große Fotoschule Naturfotografie von Hans-Peter Schaub

Die große Fotoschule Naturfotografie von Hans-Peter Schaub

Die große Fotoschule Naturfotografie

Da lag es nun als kleines aber recht schweres Päckchen vor meiner Wohnungstür: Das Buch zur Naturfotografie von Hans-Peter Schaub aus dem Galileo-Verlag.

Um ehrlich zu sein, bin ich ja kein großer Freund von umfangreichen Büchern über die Fotografie, vor allem wenn sie so reißerische Titel tragen wie „Die große Fotoschule“, „Alles über die Fotografie“ oder „Handbuch Digitalfotografie“. Umso gespannter war ich auf das Buch „Die große Fotoschule Naturfotografie“ von Hans-Peter Schaub.

Einigen ist Herr Schaub vielleicht als Chefredakteur der Zeitschrift Naturfoto und durch sein breites Wissens zur Biologie (er ist promovierter Biologe) und der Naturfotografie bekannt. Auch ich habe ein Abonnement von NATURFOTO und die Schreibe von Hans-Peter Schaub kenne ich als sehr kurzweilig und immer prall gefüllt mit seinem Fachwissen. Ich schätze seine Texte wirklich sehr.

Was steckt hiervon in dem Buch „Die große Fotoschule Naturfotografie“?

Inhalt

Es geht um die Naturfotografie, in Ihrer ganzen Bandbreite. Aufgrund der besonderen Erfahrungen des Autors mit der Landschafts- und Makrofotografie liegt hierauf allerdings ein klar erkennbarer Fokus. Gut so, denn was soll man von Autoren halten, die behaupten, wirklich alles zu wissen und zu können? Hans-Peter Schaub bleibt sich in seinem Buch „Die große Fotoschule Naturfotografie“ bewusst treu und behandelt auch nur die Themen ausführlich, in denen er die größte Erfahrung besitzt. Der Tierfotografie wird zwar ebenfalls ein eigenes Kapitel gewidmet, mit sehr guten Tipps für das Fotografieren in Zoos und Wildgehegen, aber auch in der freien Natur, aber gerade zur reinen Wildlife-Fotografie wird man sicherlich bei andere Autoren mehr Informationen finden. Nicht unbedingt als Anfänger, aber zumindest als Fortgeschrittener oder Amateur.

Gliederung

Die große Fotoschule Naturfotografie ist ein richtiger Brocken, allerdings sehr gut und klar gegliedert, so dass man beim Lesen des fast 400 Seiten umfassenden Buchs gut zurecht kommt.
Das Buch beginnt zu meiner Freude nicht etwa mit der seitenlangen Aufzählung der (scheinbar) benötigten Ausrüstungsgegenständen für die Naturfotografie, wie bei so vielen anderen Büchern mit ähnlich verheißungsvollem Titel der Fall ist, sondern mit der fast philosophischen Frage „Was ist Naturfotografie?“. Das hat mir sehr gut gefallen, denn ich bin fast schon gelangweilt von den sich wiederholenden „Ausrüstungs-Kapiteln“ in allen möglichen Fotoratgebern. Besonders bei den Büchern für Fortgeschrittene frage ich mich dann immer, was es für einen Sinn macht für diese Zielgruppe die komplette Materie von Grunde auf zu beschreiben. Als ob das denn nicht schon andere Autoren zur genüge getan hätten und gerade die fortgeschrittenen Fotografen über die Unterschiede zwischen DSLR-Kameras und Kompakten bestens aufgeklärt sind. Vielleicht sind hier aber auch die Verlage schuld, die möglichst Bücher mit einer bestimmten oder sogar hohen Seitenzahl verkaufen möchten. Sei´s drum, dieses Buch bildet hier eine löbliche Ausnahme. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass ich das Buch keinem absoluten Anfänger in Sachen Fotografie empfehlen würde. Der Autor konzentriert sich in den entsprechenden Kapiteln auf die wirklich relevanten Technikdetails und Ausrüstungsgegenstände, wie z.B. das für die Naturfotografie brauchbare Stativ und gibt wertvolle Anregungen zur Wahl des „richtigen“ Kamerasystems für die große Fotoreise und den kleinen Fotoausflug mit der Familie.

Aber natürlich geht Hans-Peter Schaub in seinem Buch „Die große Fotoschule Naturfotografie“ auch auf grundsätzliche Aufnahmetechnik ein und beschreibt das Zusammenspiel von Zeit und Blende, das Histogramm und den Weißabgleich so kurzweilig und praxisorientiert, dass das Lesen sogar erfahreneren Fotografen viel Spass machen dürfte. Bei mir war es jedenfalls so, obwohl ich schon wirklich viel zu diesen Themen gelesen habe. Allerdings finde ich, dass die Bestimmung der „richtigen“ Belichtung und die Logik der kameraseitigen Belichtungsmessung und -interpretation etwas ausführlicher und losgelöst vom Histogramm (was für viele Anfänger abschreckend wirken kann) hätte beschrieben werden können. Gerade für die „Ausnahmesituationen“, in denen jede kamerainterne Belichtungsmessung versagt (z.B. Schnee oder Gegenlicht) ist es in meinem Augen absolut notwendig zu wissen, wie die Kamera die „richtige“ Belichtung definiert und welche Korrekturmaßnahmen ergriffen werden müssen, um ein Foto nach den eigenen Vorstellungen zu erhalten. Immerhin wird jeder Leser nach dem entsprechenden Kapitel ein Histogramm einwandfrei lesen können 😉

Sehr gut beschrieben fand ich wiederum die Kapitel über Zeit und Blende, die ISO und auch den Weißabgleich. Hier bleibt der Autor wirklich keine Antwort schuldig und gerade für den fortgeschrittenen Anfänger ist es vielleicht auch ganz interessant, wenn er die Themen konzentriert zusammengefasst nachlesen kann.

Die große Fotoschule Naturfotografie

Die große Fotoschule Naturfotografie

Der Großteil des Buchs, und das ist gerade für fortgeschrittene Fotografen großartig, beschäftigt sich dann aber mit der fotografischen Praxis „vor Ort“. „Die große Fotoschule Naturfotografie“ nimmt den Leser mit auf eine fotografische Reise durch die vier Jahreszeiten und in verschiedene Landschaften. Der Klassiker „Licht in der Fotografie“ spielt hierbei immer eine zentrale Rolle und der Autor macht deutlich, wie wichtig das Licht in der Naturfotografie ist. Hans-Peter Schaub geht aber auch auf moderne Themen ein, die uns die Digitalfotografie bietet, wie HDR-Bilder, Timelapse-Aufnahmen, Focus-Stacking und Videoaufnahmen, und das zum Teil recht ausführlich. Überhaupt sind dieses „Exkurse“ auch für den fortgeschrittenen Fotografen sehr interessant und enthalten viele neue Ideen und Anregungen. Die Makrofotografie und das Fotografieren in Zoos und in der Wildnis werden in Extrakapiteln behandelt. Auch das Thema Landschaftsfotografie nimmt im Buch einen großen Raum ein.

Den Abschluss des Buchs bildet die Bildbearbeitung und -präsentation. Hierbei geht der Autor auch auf die wichtigen Themen Sicherung der Bilddateien und die Monitorkalibrierung ein und gibt gezielte Kauftipps und Vorschläge für die Erstausstattung mit Computer und Monitor. Das rundet Die große Fotoschule Naturfotografie ab und macht das Buch zu einem sehr empfehlenswerten Komplettwerk für den angehenden Naturfotografen.

Fazit

Um es kurz zu machen: Das Buch „Die große Fotoschule Naturfotografie“ von Hans-Peter Schaub ist eine umfassende und locker geschrieben Lektüre zum Thema Naturfotografie. Kein Buch für absolute Fotoanfänger, eher für Fortgeschrittene auf dem Weg in die Naturfotografie. Diese, aber auch Fotografen mit ersten Erfahrungen in der Naturfotografie, finden in dem Buch dafür wirklich viele interessante Informationen und auch Anregungen zum Thema Naturfotografie.
Der Schwerpunkt des Buchs liegt klar auf der Landschafts- und Makrofotografie, aber auch Anfänger im Bereich Tierfotografie werden hier voll auf Ihre Kosten kommen.

Für mich hat das Buch das Zeug zum Klassiker der (digitalen) Naturfotografie.

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